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 Radeln für Gelsenkirchen

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Der Bolf
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BeitragThema: Radeln für Gelsenkirchen    Di Mai 03, 2016 1:25 pm

Dieses Jahr ist es das erste Mal, dass ich beim Stadtradeln mitmachen kann. Vorher hatte ich vom "Stadtradeln" zwar schon mal gehört, dem aber keine Bedeutung geschenkt. Mir fehlte auch die Zeit, mich mit sowas zu beschäftigen. In den letzten 30 Jahren habe ich überwiegend sitzende Tätigkeiten ausgeführt, wobei das Wort "Tätigkeit" irgendwie lächerlich klingt. Mit der Maus über das Pad zu fahren oder das Lenkrad eines Lkw zu drehen, kann man nicht unbedingt als bewegungsfördernd ansehen. In diesen 30 Jahren machte sich dann der Kalorienüberschuß bemerkbar, d.h. ich habe dem Körper mehr zugeführt als dieser wieder abgeben konnte. Als ich dann in Rente gegangen bin, nannte ich einen Bauch mein eigen, den ich jetzt nicht besonders beschreiben möchte. Es ist nun nicht so, dass man mich als besonders dick bezeichnen könnte. Meine Größe kam mir da sehr gelegen, weil sie das kaschierte. Ich war also weit davon entfernt, eine quadratische Figur mit in den Ruhestand zu nehmen. Mein eigentliches Problem war, dass ich Klamotten im Schrank hatte, die ich alle nicht anziehen konnte. Sie sind mir zu eng geworden. Vorher habe ich das nicht so gemerkt, weil ich für die Arbeit meistens eine bestimmte Jeans hatte und eine zum Wechseln sowie weite Hemden.
Ich hätte also wie eine Diva jeden Tag was anderes anziehen können, wenn mir die Klamotten auch gepaßt hätten. Taten sie aber nicht. Dass es so nicht weitergehen konnte, war mir durchaus bewusst. Ich bin kein Freund von Mucki-Buden und ich mag auch keine Ernährungsprogramme, die mir vorschreiben, was ich zu essen habe. Ich habe mir gedacht, dass ich einfach nur den Spieß umdrehen und mehr Kalorien verbrauchen muss, als wie ich zu mir nehme. Umgesetzt habe ich das, indem ich mein altes Fahrrad wieder herrichtete. Wie alt das Rad genau ist, weiß ich nicht mehr. Aber es hatte schon etliche Jahre auf dem Buckel.





Wie man unschwer erkennen kann, bin ich mit dem Rad auch in Zügen und entsprechend auf Bahnhöfen unterwegs. Ich bin ja jetzt ein alter Mann und habe mir deshalb ein Bärenticket geleistet. Damit kann ich überall im VRR-Verbundraum herumreisen wie ich will und die Mitnahme des Fahrrades ist kostenlos. Den Spätsommer 2015 konnte ich so noch ausnutzen, zumal die Temperaturen bis in den Dezember hinein teilweise angenehm waren. Ich bin immer dann mit dem Rad gefahren, wenn ich die Möglichkeit dazu hatte. Die gab es nicht immer. Ich konnte immer nur dann fahren, wenn die familiäre Situation es erlaubte. Ich konnte die Pflege meines Sohnes ja nicht nur meiner Frau alleine aufbürden. Schlimm genug, dass ich das früher machen musste, weil ja einer die Brötchen verdienen muss.

Bis zum Ende des Jahres habe ich ordentlich Kilometer geschrubbt und auch viel gesehen. Ich habe für mich festgestellt, dass die Routen quer durch die Wälder nicht unbedingt so toll sind. Es wird langweilig, wenn man immer nur Bäume und Büsche sieht. Merke ich, dass der Wald kein Ende nimmt, verlasse ich ihn, sofern möglich, auf dem schnellsten Wege und fahre über Landstraße weiter. Dafür liebe ich die kleinen asphaltierten Landstraßen die gerade mal Treckerbreite haben, umso mehr. Man kommt den Bauern ziemlich nahe und nimmt auch in Kauf, dass schon mal der Hofhund hinter einem her rennt. Hier haben die Augen ständig was zu tun, all die Eindrücke zu verarbeiten.



Auch stundenlange Fahrten am Kanal, an Rhein, Ruhr oder sonstigen Gewässern sind nichts für mich. Mal ein paar Kilometer sind durchaus ok. Aber man schluckt ziemlich viel Staub auf solchen Strecken und meist sind sie auch schlecht gepflegt, d.h. mit unzähligen Schlaglöchern gespickt. Nur die Emscher macht hier eine Ausnahme. Man kann nicht durchgehend auf den Emscherwegen fahren. Es sind oftmals Fabriken, Kraftwerke, Kläranlagen und ähnliches, die den Weg versperren. Man wird dann weiträumig umgeleitet und fährt zeitweise auf normalen asphaltierten Straßen, die meist sehr ruhig gelegen sind. Allerdings muss man hier aufpassen, dass man die Beschilderung immer sieht. Oft genug war sie so versteckt, dass ich mich prompt verfahren habe.
Anfangs bin ich auch schon mal in einer kleinen Gruppe mitgefahren. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Der langsamste gibt das Tempo vor und irgendeiner hat immer ein Wehwehchen oder was quersitzen, das die Freude am Fahradfahren trübt. Vor allem aber ist es nicht möglich, spontan von der eigentlichen Route abzuweichen oder auch mal eine Tour zeitlich weit zu überziehen. Ich fahre deshalb schon lange alleine und es gefällt mir immer mehr.

Es waren so um die 2000 km, die ich mit dem Fahrrad bis zum Ende des Jahres 2015 zurückgelegt hatte. 2000 Kilometer bedeutete auch, dass ich jede Menge Kilos an Gewicht verloren habe. Wenn ich den ganzen Tag unterwegs war, habe ich oftmals nichts gefunden, wo man mal was essen konnte. Und manchmal habe ich das auch vergessen. In meinen Satteltaschen hatte ich immer nur ausreichend zu Trinken dabei gehabt. Wenn sich dann doch mal die Gelegenheit bot, etwas zu Essen zu kaufen, dann war ich eher bescheiden. So hat mir in Wesel nach einer Rheindeich-Tour ein leckerer Backfisch ohne jede Beilage in einer türkischen Pommesbude genauso ausgereicht ...



... wie die billige Grill-Bratwurst von den Kommunisten, die gerade auf einer Wiese versuchten, Interessierte anzulocken.



Durch meinen Gewichtsverlust passten mir dann auch die anderen Hosen aus meinem Kleiderschrank wieder und ich radelte deswegen bunter und viel entspannter, weil bequemer, durch die Gegend. Auch sonst machte sich der Gewichtsverlust und die Bewegung positiv bei mir bemerkbar. Gesundheitlich ging es mir gut und meine Ausdauer steigerte sich immer mehr.
Als dann im Januar der Winter doch noch kam, war erst mal Schluß mit dem Rad fahren. Der Begriff "Winterspeck" feierte in den kalten Monaten bei mir die Auferstehung. In den drei Monaten Januar, Februar und März legte ich wieder ordentlich zu. Danach gab es die ersten Versuche, wieder für etwas Bewegung zu sorgen. Aber es war immer noch zu kalt und es machte keinen Spaß. Wenn ich gefahren bin, dann nur kurze Touren. In diesem Jahr war es auch wie verhext. Der Frühling wollte und wollte einfach nicht kommen. Die Temperaturen hielten sich ständig im einstelligen Bereich. Neben den Temperaturen machte mir auch mein Fahrrad große Sorgen. Das Tretlager knackte so komisch und die Felge des Vorderrades lief auch nicht mehr rund. Für einen Laien ist es nicht einfach, die Speichen so anzuziehen, dass das Rad wieder gerade läuft. Wenn ich jetzt bei Meinhövel anrufe und einen Termin ausmache, bekomme ich den sowieso erst in 4 Wochen oder später, weil es kein Meinhövel-Rad ist. Die Entscheidung, ob ich das Fahrrad in Reparatur geben soll oder nicht, ist mir dann abgenommen worden. Am Hinterrad sind zwei Speichen weggebrochen und ich hatte da zusätzlich noch eine Acht im Rad.

Zwei Tage habe ich mit mir gerungen, bis ich den Entschluß fasste, ein neues Fahrrad zu kaufen. Eigentlich hätte ich mir aufgrund meines Alters in weiser Vorausschau ein Elektro-Rad kaufen müssen. Aber da gab es mehrere gute Gründe, die dagegen sprachen. Der erste Grund war der Preis. Alles in mir sträubte sich dagegen, so viel Geld für ein Fahrrad auszugeben. Ich wollte mich auch nicht wieder von der Technik abhängig machen. Ein E-Bike kann ich nicht selbst reparieren, ein normales Fahrrad aber schon. Ein weiterer wichtiger Grund der dagegen sprach, war die Benutzung von Zügen. Oft genug musste ich mein Fahrrad die Treppen raufschleppen, weil es keinen Aufzug gab oder auf halsbrecherische Weise mit dem Fahrrad in den Zug einsteigen und auch wieder aussteigen. Hier am Haltepunkt Buer-Süd z.B. falle ich mehr aus dem Zug als dass ich aussteige. Mit einem E-Bike unter dem Arm würde ich mir den Hals brechen. Spontan fällt mir da auch der scheißigste Bahnhof Deutschlands ein, der in Dorsten. Da ist es ähnlich.
Ich habe mir dann ein einfaches Fahrrad gekauft, ein Trekking-Rad. Dem Älterwerden habe ich Rechnung getragen, indem ich auf das klassische Herrenrad verzichtet habe. Irgendwann werde ich das rechte Bein nicht mehr mit Schwung über den Sattel werfen können. Da ist ein tiefer Einstieg doch bequemer. Und der Alu-Rahmen sorgt dafür, dass ich künftig nicht so schwer schleppen muss und besser aus dem Zug ein- und aussteigen kann. Ich musste mich nur daran gewöhnen, dass das Fahrrad durch den Nabendynamo etwas kopflastig war.



Und nun beginnt aber endgültig die warme Jahreszeit und damit auch die Saison. Ich habe im Vorfeld des Stadtradelns schon fleißig trainiert und mir eine dicke Hornhaut unter dem Hinterteil erradelt. Ich kann nicht sagen, wie viele Kilometer ich für die GG-ler und für Gelsenkirchen erradeln werde. Es können so viele Dinge dazwischen kommen, die alles vereiteln. Aber ich werde mir Mühe geben und vor allem die 21 Tage dokumentieren. Es gibt doch so viele schöne Dinge im Leben, über die man reden und berichten kann. Meist wird sich ja viel lieber gestritten und es werden Probleme gewälzt, die eigentlich keine Probleme sind. Das nervt nicht nur, nein, ich brauche es auch nicht, weil mir meine noch zu verbleibende Lebenszeit viel zu kostbar dafür ist.
Einziger Wermutstropfen in diesen 3 Wochen wird der Samstag sein. Ich verdiene mir in meiner alten Firma an diesem Tag immer etwas dazu. Als Rentner bekommt man schließlich kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld mehr und den Enkelkindern möchte man auch schon mal was finanzieren. Deshalb fällt dieser Tag für Radtouren aus. Ich werde aber nicht wie sonst mit der Bahn zur Arbeit fahren sondern nehme stattdessen das Rad. Hin- und zurück Gelsenkirchen/Wanne sind das immerhin 31 km. An den anderen Tagen werde ich aber Spaß haben und das ist der Hauptgrund, warum ich mitmache.
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