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 Es geht nicht mehr ohne

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BeitragThema: Es geht nicht mehr ohne   Sa Jan 17, 2015 10:19 am

Im Jahre 2013 habe ich mein altes Diensthandy abgegeben. Ich war es gewohnt, immer Tag und Nacht erreichbar zu sein. Es geht heutzutage nicht mehr ohne, habe ich mir gedacht. Also habe ich eines von diesen Läden aufgesucht, wo man alle möglichen Handys bekommen kann, die zur Zeit auf dem Markt sind. Diese Dinger sind ja mittlerweile wahre Wunderwerke der Technik und es gibt nichts, was sie nicht könnten. Man höre und staune, selbst die primäre Aufgabe des mobilen Telefons, das telefonieren, ist mit den Handys noch möglich.


Sitze ich im Bus oder in der Straßenbahn, sehe ich die Leute rudelweise, wie sie mit dem Finger über ihr Handy fahren. Ich bin davon überzeugt, dass die Evolution hier wieder einen neuen Ansatz gefunden hat und demnächst Menschen geboren werden, die von vorneherein eine deutlich verlängerte Nackenwirbelsäule haben, damit sie ihren Kopf besser nach vorne und nach unten neigen können. Und auch die Zeigefinger werden mutieren, die jetzt so flink über das Display flitzen. Vielleicht werden nach einigen Generationen die Zeigefinger länger, vor allem aber fettfrei, damit das Display frei bleibt von hässlichen Fingerabdrücken. Neulich sah ich auf der Straße eine Mutter, die ihren Kinderwagen mit dem Bauch geschoben hatte, weil sie in der einen Hand das Handy halten und mit der anderen Hand eine SMS oder sowas ähnliches schreiben musste. Den Blick hatte sie natürlich nach unten auf das Handy gerichtet. Es bestand aber keine Gefahr des Zusammenstoßes. Ich hatte die Dame rechtzeitig wahrgenommen. Das ist aber leider nicht immer der Fall. Es kommt immer auf die Örtlichkeit an und wie der Handynutzer drauf ist. Die Härtefälle laufen mit Knopf im Ohr oder Kopfhörern rum und lassen sich die satten Hardrock-Bässe um die Ohren wummern, wobei sie zusätzlich auch noch in das vertieft sind, was sie im Display sehen. Es ist auch nicht mehr möglich, eine Unterscheidung zu treffen, ob jemand Selbstgespräche führt oder nicht. Dafür lassen sie mich aber teilhaben an Dingen, die sehr privat sind. Gestern habe ich mitbekommen, dass sich Tante Erika bei der letzten Familienfeier total blamiert hatte, weil ihre Schuhe nicht zu ihrem Kleid gepasst haben. Es ist manchmal unmöglich, einfach nur wegzuhören.


Aber zurück zu meinem Wunsch, mir im Handyladen ein mobiles Telefon auszusuchen. Ich fahre ja Lkw und da ist so ein Teil durchaus eine sinnvolle Investition. Ich stehe also in besagtem Laden und der Verkäufer erzählt mir da was von I-Pods und so ein Zeugs. Ich unterbreche ja ungern Leute, wenn sie einmal ins Schwärmen geraten sind. Aber hier sah ich es als notwendig an. Ich wollte, dass sich der Verkäufer nicht umsonst verausgabt. Ich sagte ihm, was ich wollte. Ich brauche lediglich ein Gerät, mit dem ich unterwegs telefonieren kann. Eine Wecker-Funktion wäre auch nicht schlecht. Das Telefon sollte große Tasten haben, weil meine Finger nun mal nicht die zartesten sind. Ich will damit nicht ins Internet, ich will nicht zocken, ich brauche keine Apps, die mir das Leben erleichtern und auch kein elektronisches Filofax. Ich brauche nur ein Telefon, sonst nichts.


Der Verkäufer hat mich ziemlich schräg angeguckt. Nein, so primitive Geräte hatte er nicht, mit denen man nur telefonieren kann. Mir blieb letztendlich nichts anderes übrig, als im Internet zu recherchieren, wo ich ein einfaches Telefon herbekomme. Nach langem Suchen bin ich fündig geworden. Die Telekom bot so ein antiquiertes Teil für einen Euro an. Ich habe zugeschlagen und bin jetzt stolzer Besitzer eines Privathandys.


Die erste Zeit war das auch ganz ok. Aber irgendwann war ich es leid, dieses Teil immer mit mir herumzuschleppen. Ich benutzte es nur ganz selten und wenn, dann war es meist aus einem unwichtigen Anlass heraus. Seit einem Jahr ist mein Handy die meiste Zeit aus. Wahnsinn, wie lange so ein Akku dann hält. Oftmals habe ich das Teil auch vergessen mitzunehmen. In diesem einen Jahr habe ich das Handy vielleicht vier bis fünfmal benutzt, um meiner Frau zu sagen, wann ich wegen dem Essen nach Hause komme. Ich werde in Zukunft wohl ganz auf das Handy verzichten. Ich sehe keinen Nutzen darin.
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